Kaiserschnitt auf Wunsch

Kaiserschnitt auf Wunsch

Wenn Schwangere sich für diesen operativen Eingriff entscheiden.
05.10.12 | 22:45 Uhr | famisa
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Jede werdende Mutter hat das Recht darauf, selbst zu entscheiden, ob es Ihr Baby über eine natürliche Geburt, die sogenannte Spontangeburt, oder über eine Kaiserschnittentbindung zur Welt bringen möchte. Da eine Schnittentbindung ein operativer Eingriff ist, wird der Wunsch nach einem Kaiserschnitt kontrovers diskutiert. Doch die persönlichen Gründe hierfür sind von Frau zu Frau verschieden, und deshalb ganz individuell zu bewerten.

 

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Geplanter Kaiserschnitt - Ab wann?

Generell darf ein geplanter Kaiserschnitt nur dann durchgeführt werden, wenn keine erhöhten medizinischen Operationsrisiken, sogenannte Kontraindikationen, vorliegen.(1)

Wurde bisher die gesichert abgeschlossene 37. Schwangerschaftswoche empfohlen, ab der ein geplanter Kaiserschnitt durchgeführt werden kann, so hat sich diese Empfehlung auf Grundlage neuer Erkenntnisse geändert. Am 10. Oktober 2012 gab die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) anlässlich ihres 59. Kongresses in einer Pressemitteilung bekannt: „Die bisherige Empfehlung eines geplanten Kaiserschnittes ab der 38. Schwangerschaftswoche ist mit einer signifikant höheren Rate an Komplikationen des Neugeborenen verbunden, die sogar zu einer intensivmedizinischen Behandlung veranlassen (im direkten Vergleich mit natürlichen Geburten oder mit einem Kaiserschnitt in der 40. Schwangerschaftswoche)."

Wunsch-Kaiserschnitt: eine ganz persönliche Entscheidung

Die persönlichen Gründe für einen "Wunsch-Kaiserschnitt" sind sehr verschieden und von den jeweiligen individuellen Gegebenheiten und Bedürfnissen der Schwangeren und der Familie abhängig. Ein Vorteil der geplanten Kaiserschnittentbindung ist der feststehende Geburtstermin. Besonders bei Familien mit mehreren Kinder erleichtert die geplante Entbindung den Alltag. Für die Zeit des Krankenhausaufenthaltes kann man sich schon im Vorfeld in Ruhe um die Betreuung der anderen Kinder durch Familie oder Freunde kümmern. Auch der Partner kann, wenn seine beruflichen Verhältnisse eine spontane, längere Abwesenheit nicht zulassen, gezielt Urlaub planen, für die Zeit, sobald Frau und Kind zu Hause sind.

Manche Frauen haben Angst vor einer natürlichen Geburt, besonders wenn es ihre erste ist. Sie hören von Freundinnen und Bekannten, wie lange diese in den Wehen gelegen haben, und welche Schmerzen sie dabei hatten. Oder sie lesen in Büchern und im Internet von Komplikationen, die bei Spontangeburten schon aufgetreten sind. Auch wenn diese Fälle in der Praxis nur selten vorkommen, fühlen sich manche Frauen verunsichert, und bekommen Angst. Angst davor, dass ihnen oder ihrem Baby dasselbe passiert. Aber diese Angst vor der Geburt ist völlig normal. Die Frage ist nur, wie werdende Mütter damit umgehen. Während einige Frauen diese Ängste ignorieren können, scheinen andere Frauen den Geburtsschmerz schon spüren zu können und ahnen, dass es „Komplikationen geben wird“. Wenn Sie solche Ängste haben, reden Sie mit Ihrem Arzt. Denn Ihre psychische Verfassung wirkt sich auch auf Ihren Körper aus, und Ihr Kind fühlt Ihre Ängste. Es kann so wegen des psychischen Stresses zu vorzeitigen Wehen kommen, und die prophezeiten Komplikationen könnten tatsächlich eintreten.

Neben den Ängsten aufgrund der Erfahrungen anderer Mütter, gibt es auch die Ängste aufgrund der eigenen Erfahrungen. So gibt es Frauen, die Angst vor Schmerzen haben, weil sie noch immer von einer vorangegangenen Geburt schwer traumatisiert sind. Oder sie haben Angst um ihr Baby bei der Geburt, wenn sie Komplikationen bei einer natürlichen Entbindung bereits selbst erfahren haben. Auch diese Ängste sind berechtigt, und werden von den Ärzten ernst genommen.

Ebenso sorgen sich werdende Mütter, die allein leben, oder mit ihrem Partner, der aber gerade in den letzten Schwangerschaftswochen nicht da sein kann. Diese Frauen fragen sich, was sie machen sollen, wenn plötzlich die Fruchtblase platzt, und sie allein zu Hause sind. Oder wie sie ins Krankenhaus kommen, wenn die Wehen einsetzen. Reden Sie in solchen Fällen mit Familie, Freunden und Ihren Nachbarn. Und klären Sie schon im Vorfeld, wer Sie zu welcher Uhrzeit ins Krankenhaus fahren und begleiten kann. Fragen Sie auch bei Ihrer Krankenversicherung nach, wann, in welcher Höhe und unter welchen Voraussetzungen die Fahrt ins Krankenhaus durch Krankentransport oder Taxi übernommen wird.

Natürlich gibt es auch Frauen, die nicht nervös darauf warten wollen, wann ihr Baby endlich kommt. Vielmehr möchten sie den Entbindungstermin für ein bestimmtes Datum festlegen, wie der Geburtenboom zur Jahrtausendwende, oder einen für sie astrologisch bedeutsamen Tag. Die Gründe sind sehr vielschichtig, und nur Sie selbst können gemeinsam mit Fachärzten und Ihrer Familie beraten und entscheiden, inwieweit diese Gründe schwerer wiegen, als die Risiken, die mit dieser Operation für Sie und Ihr Kind einhergehen.

Kaiserschnitt: Wunsch und Recht

Grundsätzlich haben Schwangere ein ausdrückliches Mitspracherecht bei der Wahl des Entbindungsweges. Das heißt Sie dürfen selbst entscheiden, ob Sie mittels Kaiserschnitt oder auf natürlichem Wege Ihr Kind entbinden möchten.

Bereits in einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 22.2.1978 heißt es: „Nicht jede ärztliche Maßnahme geschieht zu Heilzwecken. Der Arzt führt vielmehr in grundsätzlich zulässiger Weise oft Behandlungen durch, die wie Sterilisationen oder kosmetische Operationen anderen Zielen dienen können.“(2)

Und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe beantwortet die „Frage der so genannten Sectio [Anm.: medizinisch für „Kaiserschnitt“] auf Wunsch“ wie folgt:

„Die Sectio auf Wunsch [gemeint ist der Wunsch-Kaiserschnitt] ist solchen Eingriffen gleichzustellen, sofern sie nach gehöriger Aufklärung mit wirksamer Einwilligung vollzogen wird und medizinisch jedenfalls nicht kontraindiziert ist.“ Und sie stellt weiter fest, dass „für den Arzt keine Rechtspflicht [besteht], dem Wunsch der Schwangeren ohne jede medizinische Indikation nachzukommen, da  ein solcher Eingriff nicht zu den in § 1 der Berufsordnung für die deutschen Ärztinnen und Ärzte (MBO-Ä 1997) aufgeführten ärztlichen Aufgaben zählt.“(3)

Konkret bedeutet das: Eine Kaiserschnittentbindung, die auf rein persönlichen Gründen basiert, wird genauso betrachtet, wie eine Schönheitsoperation. Sie darf durchgeführt werden, aber der Arzt kann die Operation auch verweigern, wenn keine medizinische Indikation für die Entscheidung zur Entbindung per Kaiserschnitt gegeben ist. Und das ist bei einem Wunsch-Kaiserschnitt der Fall. Weiterhin sagt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in obigem Zitat, dass ein Kaiserschnitt dann gerechtfertigt ist, wenn die Schwangere a) wirksam einwilligt und b) keine Kontraindikationen zu dieser Entscheidung vorliegen.

a) Wirksame Einwilligung:

In einem Aufklärungsgespräch müssen Sie sorgfältig und ausführlich über die Risiken und möglichen Folgen der Kaiserschnittentbindung aufgeklärt werden. Haben Sie sich nach einer ausreichenden Bedenkzeit für einen Kaiserschnitt entschieden, müssen Sie diesen Willen eindeutig auf einem entsprechenden Formular per Unterschrift festhalten. Ärzten wird empfohlen, Ihnen nach Möglichkeit einige Tage Bedenkzeit zu geben, um sich zum Beispiel auch an anderer Stelle zu informieren. Ihre Einwilligung ist auch nur dann zulässig, wenn Sie Wesen, Umfang und Bedeutung dieser Operation voll erfassen und Ihren Willen frei bestimmen können.

b) Kontraindikationen:

„nicht kontraindiziert“ bedeutet, dass aus medizinischer Sicht nichts gegen den Wunsch-Kaiserschnitt sprechend darf. Kontraindikationen bei Kaiserschnittentbindungen liegen zum Beispiel vor, wenn Sie als Schwangere inoperabel sind, und die Operation selbst eine Gefahr für Sie darstellt. Das ist zum Beispiel bei sehr schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Fall, oder bei Medikamenten- und Drogenmissbrauch.

Wunschkaiserschnitt oder Spontangeburt?

War der Kaiserschnitt bis vor einigen Jahren nur medizinischen Notfällen vorbehalten, so wird er heute sogar immer öfter als mögliche Alternative zur Spontangeburt angeboten. Ist ein Kaiserschnitt aus Sicht Ihres Arztes oder Ihrer Hebamme nicht erforderlich, Sie aber dennoch aus persönlichen Gründen eine Kaiserschnittentbindung wünschen, sollten Sie sich über den Ablauf, die medizinischen Folgen und die Risiken genau informieren, bevor Sie sich endgültig für dafür entscheiden. Denn ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff, der mit Risiken für Sie und Ihr Kind verbunden ist.

Eine besondere Bedeutung kommt den Risiken für Folgeschwangerschaften, zum Beispiel Plazentastörungen, nach einer Kaiserschnittentbindung zu. Dementsprechend empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. auf ihrem 59. Kongress im Jahr 2012: Von einem Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation ist dringend abzuraten, wenn ein weiterer Kinderwunsch besteht.

Besprechen Sie Ihren Wunsch nach einer Kaiserschnittentbindung mit dem Ärzteteam der Klinik und Ihrer Hebamme. Und teilen Sie auch den Menschen, die Ihnen persönlich am nächsten stehen, Ihre Bedürfnisse, Gründe und Sorgen mit. Gegen Ihre Ängste hilft es, wenn Sie sich informieren. Und wenn das Ärzteteam Ihrer Klinik und Ihre Hebamme keine Komplikationen bei einer natürlichen Geburt erwarten, dann vertrauen Sie diesem Urteil, das teils auf jahrzehntelangen Erfahrungen beruht.

 

Quellen:

(1) Informationsdienst Medizinrecht, http://www.geburtsschaden.info/Geburtsschaden-Kaiserschnitt-Rechtliche-E... (Stand: 5.10.12)
(2) BGH NJW 1978, 1206
(3) Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht (AG MedR), AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/054: Kapitel 4.4.6 Absolute und relative Indikationen zur Sectio caesarea und zur Frage der sogenannten Sectio auf Wunsch (März 2008)

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